Hauptversammlung, Donnerstag 7. Juni 2012, 19.30 Uhr, in der OASE im MZG

Finanzlage ist ernst, aber nicht aussichtslos?

Im Anschluss die ordentliche Hauptversammlung organisierte die FDP Waldstatt eine öffentliche Orientierung über die Finanzlage in Waldstatt. Über 60 Personen liessen sich von Herrn Markus Meli, Regionaldirektor der BDO Visura AG, Ostschweiz, die aktuellen Finanzkennzahlen der Gemeinde erläutern. Die lebhafte Diskussion zeigte, dass die Finanzlage in Waldstatt zwar angespannt, aber nicht aussichtslos ist.

WALDSTATT. Die Hauptversammlung der FDP Waldstatt ging unter der bewährten Leitung der Präsidentin, Ursi Weibel, ohne bemerkenswerte Punkte innert Kürze über die Bühne. Auch der Vorstand bleibt unverändert mit Ursi Weibel (Präsidentin), Ernst Bischofberger (Aktuar) und Jürg Langenegger (Kassier).

Grosses Interesse für Finanzlage in Waldstatt

Der anschliessende öffentliche Anlass vermochte über 60 interessierte Personen zu motivieren, sich das wichtige Thema der Finanzlage von Waldstatt anzuhören. Die Präsidentin der FDP Waldstatt, Ursula Weibel, führte die Gründe für diesen Anlass auf. Das Budget 2012 hatte einen Neinstimmen-Anteil von rund 40%, die Genehmigung der Rechnung 2011 gar einen Nein-Anteil von 44%. Deshalb war die FDP der Auffassung, es sei an der Zeit für eine Finanzanalyse einen externen Fachmann einzuladen. Bekanntlich führt die BDO Visura AG in Waldstatt seit vielen die Revision der Jahresrechnung durch. Der Niederlassungsleiter und Regionaldirektor Ostschweiz, Herr Markus Meli, verstand es ausgezeichnet die finanzspezifische Materie verständlich zu präsentieren.

Rechnungslegungsmodell HRM 2

Im ersten Teil erklärte er das neue Rechnungslegungsmodell HRM 2. Dieses muss per 2013 in allen Gemeinden von AR inkl. Kanton angewendet werden. Gegenüber dem bisherigen Modell gibt es einige Änderungen. Insbesondere ist neu die zweistufige Erfolgsrechnung einzuführen. Auch bei der Bilanz kommen geänderte Darstellungsvorschriften zum Tragen. Für die Abschreibungen gelten neu einheitliche und verbindliche lineare Abschreibungssätze, abgestuft je nach Investitionsart.

Finanzkennzahlen sind eine wichtige Kenngrösse für die finanzielle Verfassung

Im zweiten Teil seiner Ausführungen präsentierte Meli zahlreiche interessante Kennzahlen von Waldstatt und stellte sie jeweils in den Kontext der anderen Gemeinden. Die Kennzahlen wie Nettoverschuldungsquotient, Selbstfinanzierungsgrad, Nettoschuld/Einwohner, Zinsbelastungsanteil, Steuerkraft/Einwohner zeigten interessante Vergleiche auf. Generell gesehen, liegt Waldstatt bei der Verschuldung in allen Vergleichen mehr oder weniger an letzter Stelle, d.h. hat eine der höchsten Verschuldung im Kanton. Seine Zusammenfassung lautet eigentlich ganz banal: „Die Gemeinde Waldstatt benötigt im Vergleich zu den Steuereinnahmen zu viel Geld für die Abschreibungen und für den allgemeinen Konsum“. Sie hat also ein strukturelles Defizit. Wie und wo der Hebel anzusetzen ist, sei Sache des Gemeinderates. An einem Dreieck erläutert der Referent eindrücklich die Wechselwirkungen der Finanzströme: Investitionen, Verschuldung und laufende Rechnung (Ausgaben und Einnahmen). Die angeregte Diskussion drehte sich primär um die mögliche Massnahmen für eine Sanierung der Finanzen. Es bestand Einigkeit, die Verschuldung zu reduzieren. Also muss primär die laufende Rechnung verbessert werden. Dies kann über Einsparungen bei den Ausgaben oder über Steuererhöhungen erfolgen. Spätestens hier gingen die Meinungen auseinander. Der Referent erklärte, dass bei der laufenden Rechnung vieles gebundene Ausgaben sind, aber ein Teil sei immer flexibel. Dort gehe es letztlich um die Frage welche Qualität und Servicelevel der Leistungen angeboten werden will. Nach seiner Erfahrung gibt es bei jeder Rechnung noch Sparpotenzial. Ebenfalls wären weitere Aufgaben im Verbund mit anderen Gemeinden ernsthaft zu prüfen – mit der Konsequenz, dass nicht mehr in allen Gemeinden sämtliche Dienstleistungen vor Ort erhältlich sind.

Die Präsidentin stellte am Schluss des Abends fest, dass die Sanierung der aktuellen Finanzlage in Waldstatt eine gewisse Zeit benötigen wird. Sie ruft die Einwohner auf, aktiv mitzuwirken und dem Gemeinderat wünscht sie ein gutes Gespür sowie den Mut auch unpopuläre Massnahmen zu prüfen.

Juni12/Bi

 

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